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03/10 von Misses Nox.

Beck´s Town Teil 1 (Projekt mit Ben)

Einige von Euch wissen bereits, dass Ben und ich uns zusammen getan haben und da mal etwas ausprobiert haben. In den nächsten Tagen stelle ich euch die Geschichte vor. Ob ich die dazugehörige Audiodatei wirklich veröffentliche weiß ich noch nicht. Es ist schon komisch seine eigene Stimme zu hören und an einigen Ecken und Kanten hat es dann doch irgendwie noch gehakt.

Leider kenne ich in Bremen noch nicht wirklich viele Leute. Deshalb habe ich mich auf etwas eingelassen, auf das ich mich ansonsten wahrscheinlich niemals eingelassen hätte: ein Date aus dem Internet.

Zugegeben, die Einfachheit, auf diese Weise an ein Date zu kommen ist schon beeindruckend. Ich habe mich Donnerstagabend bei einem Flirt-Portal angemeldet und heute, am Samstag, habe ich mein erstes Date. Ich treffe mich mit einer jungen, blonden Bremerin, die mir ihre Stadt, und deren Besonderheiten, zeigen möchte. Es ist erstaunlich, wie schnell sich eine junge Frau auf ein Treffen mit einem fremden Mann einlässt.

Ich habe Angst, dass es der totale Reinfall wird. Frauen sind wie Toiletten, entweder besetzt oder beschissen! Zumindest habe ich das bis Dato angenommen und ich höre die warnenden Stimmen von Freunden und Bekannten, die mir ihre Horrorgeschichten von Blind-Dates aus dem Internet erzählt haben. Eine Geschichte ist schlimmer als die Andere. Ist es da ein Wunder, dass sich in mir die Meinung verfestigt hat, dass Männer und Frauen, die es nötig haben, sich im World-Wide-Web jemanden zu suchen, immer einen an der Klatsche haben müssen?

Aber was soll’s in zwei Stunden werde ich meine eigenen Erfahrungen machen. Und somit nutze ich die verbleibende Zeit, um mich schick zu machen und mich wohl zu fühlen.

Was soll ich nur anziehen? Ich stehe auf und gehe zu meinem Kleiderschrank. Stöbere in jeder Ablage und schmeiße eine Auswahl meiner Lieblingskleidungsstücke aufs Bett. Super, jetzt brauche ich mich nur noch aus einem Bruchteil an Klamotten entscheiden. Was ich für gut befinde, darf auf dem Bett liegen bleiben. Alles, wo gegen ich mich entschieden habe, landet auf dem Fußboden. Eine gängige Methode von mir die schönen Sachen auszusieben.

Übrig bleiben: ein schwarzes Tank Top, darüber ziehe ich ein schwarzes la Marina Hemd und eine dunkelblaue Jeans, die an den Fußenden umgekrempelt ist. Unter die Jeans ziehe ich eine dunkelblau-weiß karierte Boxershorts. An den Füßen ein paar schwarze Socken für Dummies. Für Dummies, weil in die Socken in rot „links“ und „rechts“ aufgestickt steht, damit man sie nicht falsch herum anzieht. Dazu meine Lieblingsschuhe. Diese sind flach und aus schwarzem Leder. Sie sind mit anthraziten Nieten versehen. Ich weiß nicht warum, aber ich liebe diese Schuhe. Sie haben etwas Rustikales und strahlen Straightness aus.

Mein Outfit steht und ich kann beruhigt ins Bad huschen. Ich rasiere mich und pflege meinen Unterlippen- und Ziegenbart. Dann hüpfe ich unter die Dusche, wo ich ich die Konturen nachschneide, ansonsten trage ich untenherum nämlich nur dezent gestutzt. Sie soll mich schließlich nicht für einen kleinen Schuljungen halten.
Bei dem Gedanken muss ich Grinsen und schaue mich zufrieden im Spiegel an. „Yeah! So kannste gehen. Also ich würd Dich nehmen Süßer!“, sage ich laut zu mir selbst und zwinkere meinem Spiegelbild zu, bevor ich in lautes Gelächter ausbreche.

Hier und da noch ein Duftwässerchen und sogar das Gesicht creme ich mir ein. Man soll ja nichts dem Zufall überlassen. Und dann widme ich mich dem Aufwendigsten, meinen Haaren. Mein Iro soll perfekt sitzen. Soll der David Beckham vor Neid erblassen!

Als ich in meinen Dress stecke, wird es bereits höchste Zeit, denn ich will nicht gleich beim ersten Date zu spät kommen. Schnell noch den Schlüssel und das Portemonnaie eingesteckt, und schon hetze ich die Straße entlang zu meinem zu meinem Wagen. Zum Glück ist es nicht weit zur Strandpromenade. Wir sind im Cafe Sand verabredet.

Erst als ich durch den Sand laufe, finde ich Zeit, den Sommer in all seiner Pracht zu genießen. Wie schön warm es heute ist und dazu dieser wunderschöne, tiefblaue Himmel. Kein Wölkchen ist am Horizont zu sehen. Vielleicht klingt es kitschig, aber ich freue mich schon auf den Sonnenuntergang, wenn die untergehende Sonne den Himmel zuerst in leuchtendes Orange taucht und ihn dann schließlich von einem kräftigen Lila bis zur völligen Schwärze verfärbt. Ich liebe dieses Farbenspiel des Himmels.

Von weitem kann ich das Cafe Sand schon sehen. Der Biergarten ist bereits gut gefüllt und lautes Gelächter und die Laute von glücklichen Menschen, die ausgelassen feiern und ihren Spaß haben dringen an mein Ohr. Ob ich uns noch einen freien Platz ergattern kann? Oder wartet sie bereits und hat uns ein lauschiges Plätzchen reserviert? Ich lasse mich überraschen. Es sind nur noch wenige Meter.

Vor den Bierzeltgarnituren angekommen halte ich Ausschau nach ihr. In einem Restaurant wäre es sicher leichter. Ich müsste nur nach einer einzelnen Dame suchen. Auf den Bänken jedoch wird sie wahrscheinlich am Rand sitzen, wenn sie schon da ist. Es wird ihr nicht möglich gewesen sein, eine ganze Reihe freizuhalten. Meine Augen wandern durch die Bänke.

Ich versuche mich an ihre Beschreibung zu erinnern. Was hat sie geschrieben?

„Hallo Ben, ich bin eine kleine Frau, von gerade mal eins dreiundsechzig. Ich habe blonde Haare, blaue Augen und eine schlanke Figur. Ich werde, das heißt, wenn ich mich nicht noch hundertmal um entscheide, ein weißes Sommerkleid tragen, in meinen Zopf werde ich Kornraden einflechten. Falls du mich dann immer noch nicht finden kannst, musst du dich auf den Boden legen und nach schönen Füßen in Flip Flops suchen. Wenn das auch nicht hilft, schreist du ganz laut nach Greta!“

Der Schrei bleibt mir allerdings erspart. Während ich noch nach ihr suche, hat sie sich längst an mich heran geschlichen und erschreckt mich, „Buh!“. Ich zucke zusammen und drehe mich um. Sie schaut mich mit einem unschuldigen Lächeln an, „Hi Ben, ´tschuldigung fürs Erschrecken. Ich bin Greta! Wollen wir uns setzen?“. „Wer ist Ben, ich heiße Timo und suche meinen schwulen Freund Marco!“, antworte ich frech und mache mir nun meinerseits einen Spaß draus. Sie errötet und entschuldigt sich höflich, bevor ich meine Maske fallen lassen und sage, „Greta, ich bin’s Ben! Sorry, aber der Schreck musste bestraft werden!“

Sie verzieht die Mundwinkel wieder zu einem Lachen und knufft mir in die Seite. Ich lege ihr frech meinen Arm um die Taille und dirigiere sie mit den Worten, „Dann lass uns mal ein lauschiges Plätzchen suchen!“, zu einem freien Platz, den ich soeben erspäht habe. Meine lockere Art scheint ihr zu gefallen, sie lässt sich widerstandslos von mir entführen. Ich muss sagen, sie hat sich sehr gut beschrieben. Es passt alles. Keine unerwartete Überraschung.

Wie es sich für einen Gentleman gehört, frage ich sie, auf welcher Seite sie sitzen möchte und bin ihr beim Hinsetzen behilflich. Nachdem ich mich ebenfalls gesetzt habe, nehme ich mir die Zeit, sie mir etwas ausführlicher anzusehen. Sie hat eine wirklich schöne Ausstrahlung. Wie sie dort so sitzt und, ihr gar nicht bewusst, immer wieder eine Haarsträhne durch die Finger gleiten lässt. Ihre Augenpartie wirkt sehr aufgeweckt und warm und ihr Lächeln echt und nicht aufgesetzt. Als sie bemerkt, dass ich sie mir genauer unter die Lupe genommen habe, wirkt sie leicht nervös. Sie lächelt mich verlegen an.

Ich glaube, sie ist ganz froh, dass ich die Stille durchbreche und sie frage, „Weißt Du schon, was Du trinken möchtest?“ Ohne in die Karte zu schauen antwortet sie, „Ich nehme einen Cojito“. Kaum hat sie den Satz beendet, steht bereits eine Bedienung neben uns und fragt uns, was wir zwei Hübschen bestellen möchten. „Die Dame hätte gerne einen Cojito und mir dürfen Sie einen Long Island Ice Tea bringen!“, bestelle ich für uns. Sie bedankt sich und tippelt wie Peg Bundy davon.

„Und, wie gefalle ich Dir?“, fragt sie mich etwas unsicher, als wir wieder für uns sind. Ich antworte frech, wie ich bin, „Ich hab es doch nicht bei der Aussage, dass ich Timo und nicht Ben belassen, oder?“ „Und das heißt was?“, möchte sie es eine Spur genauer wissen. „Das heißt, dass Du mir gut gefällst, jedenfalls soweit ich das bis jetzt beurteilen kann!“, antworte ich, aber merke, dass sie die Antwort noch immer nicht vollends zufrieden stellt. „Was heißt, so gut Du es jetzt beurteilen kannst?“, hakt sie nach. Ich grinse frech, „Das heißt, dass Du einen sehr hübschen Körper hast. Mir gefällt Dein äußeres Erscheinungsbild. Aber bei Sympathie kommt es eben nicht nur auf die Verpackung an, sondern auch auf den Charakter!“ Diese Antwort stellt sie zufrieden und schaut sich nach der Bedienung um, welche nicht lange auf sich warten lässt.

Wie es sich gehört, bedient sie zuerst Greta und dann mich. Die Gläser unserer Drinks sind so kühl, dass sich kleine Transpirations-Wasserperlchen an ihm absetzten, welche immer schneller werdend an der Außenseite des Glases hinunter rinnen. Der Cojito sieht interessant aus, nicht nur wegen des mit einer Sternfrucht verzierten dreieckigen Cocktailglases. Ich muss schmunzeln, ob Greta wohl weiß, dass der Sternfrucht eine aphrodisierende Wirkung nachgesagt wird!?

Fortsetzung folgt…


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