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04/10 von Misses Nox.

Beck´s Town Klappe die Zweite

Fortsetzung:

Die freundliche Bedienung entschuldigt sich, weil sie uns direkt abziehen muss. Ich bezahle die beiden Drinks und gebe ihr für die freundliche und schnelle Bedienung ein beschauliches Trinkgeld. Greta grinst mich frech an, „Wenn Du glaubst, dass Du mir damit imponieren kannst, dann irrst Du Dich!“ „Nein!“, erkläre ich ihr, „Ich möchte nur, dass sie uns das nächste Mal nicht absichtlich warten lässt. Außerdem will ich Dich nicht kaufen. Die nächste Runde darfst Du gern übernehmen!“, was ihr scheinbar recht ist.

Und so quatschen und verbringen wir den frühen Abend, der wie im Fluge vergeht. Als es langsam anfängt zu dämmern und wir beide schon leicht beschwipst sind, beschließen wir uns etwas die Füße zu vertreten und noch woanders einzukehren.

„Was hältst Du von einem Spaziergang am Weserufer, bevor wir noch einen Abstecher ins Viertel wagen?“, fragt sie mich irgendwann, als die Sonne den Himmel schon in ein wunderschönes rot gehüllt hat und ihr langsam aber sicher der süße Po schmerzt. Wie sehr ich Biergärten auch mag, aber irgendwann sind diese Holzbänke einfach nicht mehr bequem.

Da wir nicht mehr auf die Bedienung warten müssen, stehe ich entschlossen auf und reiche ihr meine Hand, „Darf ich bitten?“ Sie reicht mir ihre Hand und ich geleite sie zum Strand.

„Dass ich Dich sympathisch finde, weißt Du bereits. Was sagst Du denn zu meiner Person?“, drängt die Neugier in mir. Fröhlich lächelnd bekomme ich eine Antwort, „Ich weiß nur, dass Du meinen Körper magst. Sagen wir es mal so, ich bin noch da und wir gehen zusammen am Strand entlang. Würdest Du mir nicht gefallen, hätte mich eine Freundin längst gerettet!“.

Also schnattern wir weiter und genießen die schönen Lichtspiele an der Promenade. Die Häuser, Cafés und Bars werden mit kräftigen blauen Strahlern angeleuchtet. Es sieht sehr beeindruckend aus und bringt mich zumindest in eine romantische Stimmung. Dabei gehen wir schon eine Weile, ohne dass ich es wirklich mitbekommen hätte Hand in Hand. Sie kichert dabei angeheitert vor sich hin. Beinahe wie ein verliebtes Mädchen.

Bis ich plötzlich Glas knirschen höre, sie sich abrupt von mir los reißt, „Autsch… Scheiße“, brüllt und ihren rechten Fuß anhebt. Ich stütze sie rasch und bringe sie zu einer Parkbank, die nur wenige Meter vor uns steht. „Lass mich mal nachsehen, ob etwas passiert ist!“, frage ich sie besorgt und schaue mir ihren Fuß an. Natürlich ist etwas passiert. In ihrem Flip Flop ist bereits eine Blutspur zu erkennen. Ich ziehe vorsichtig eine Glasscherbe aus ihrer Ferse und versuche sie zu beruhigen.

„Ich bin zwar kein Arzt, aber ich glaube, das müssen wir verbinden. Vielleicht sollte ich Dich sogar in die Notaufnahme bringen, damit die sich das mal genauer ansehen können!“, gebe ich besorgt von mir. „Auf keinen Fall!“, mault sie mir entsetzt entgegen. „Wohnst Du weit von hier? Ich könnte Dich nach Hause bringen und Dir zumindest den Fuß verbinden!“, unterbreite ich ihr ein anderes Angebot. „Entweder das, oder ich bringe Dich in die Notaufnahme und ich werde mich auf keine weitere Diskussion einlassen!“, füge ich noch hinzu. Sie willigt ein, „Okay! Ich wohne nur zwei Straßen von hier entfernt. Aber krieg bloß keinen Schreck, ich habe nämlich nicht damit gerechnet, dass ich Dich tatsächlich mit nach Hause nehmen würde!“

Sie stützt sich auf meine starken Schultern und humpelt mit mir weiter die Promenade entlang. Zwei Abzweigungen später biegen wir in eine Straße ein und dann sind wir auch schon da. „Ich wohne im zweiten Stock!“, eröffnet sie mir und kramt in ihrem Täschchen nach dem Schlüssel. Da sie klein und übersichtlich ist, dauert es nicht lange, bis sie fündig wird und ich ihr die Türe öffne. „Geh bitte vor, so kann ich Dich halten, solltest Du das Gleichgewicht verlieren. Schließlich will ich nicht noch dafür verantwortlich sein, wenn Du die Treppe hinunter purzelst!“, bitte ich sie mit Grinsen und führe sie zum Treppengeländer.

Vorsichtig hebt sie den verletzten Fuß an und hüpft die Treppe hoch. Ich bewundere währenddessen den wunderschönen Ausblick auf ihren straffen Hintern, der bei dieser Aktion kräftig angespannt ist. In der Automechaniker Sprache würde ich sagen, „Ein nettes Fahrgestell!“ Am liebsten würde ich ihn mal anfassen. Aber ich bin mir sicher, sie würde das Gefühl bekommen, dass ich ihre Hilfebedürftigkeit schamlos ausnutzen würde und ich dürfte schneller wieder heimfahren, als mir lieb wäre.

„Tadaaa, da sind wir!“, macht sie frech, als wir im zweiten Stock vor ihrer Wohnung stehen. „Wartest Du kurz? Ich will mal eben durchs Wohnzimmer und ein paar Sachen wegräumen. Ich will ja nicht, dass Du gleich im Türrahmen wieder kehrt machst!“, fragt sie mich inständig. „Tu Dir keinen Zwang an!“, lache ich und sehe ihr zu, wie sie mir die Tür vor der Nase zuschlägt. Ich warte geschlagene fünf Minuten, bis sie mir total außer Atem wieder öffnet und mich auffordert einzutreten. „Dankeschön! Komm doch rein!“, sagt sie mir und hält mir mit noch immer blutendem Fuß die Tür auf.

„Wo ist Dein Wohnzimmer?“, frage ich und klemme mich wieder unter ihren Arm. „Hier gleich rechts!“, antwortet sie und lässt sich von mir ins selbige geleiten. Behutsam setze ich sie auf ihrem weinroten Sofa ab und erkundige mich nach dem Verbandszeug, „Sag mal, wo finde ich bei Dir denn etwas zum verbinden, oder ein Pflaster?“. „Ganz einfach!“, lächelt sie, „Du gehst einfach den Flur entlang und dann rechts.“ Ich folge ihrer Beschreibung und bleibe dann verwundert im Flur stehen.

Rechts ist gut, aber welche von den drei Türen auf der rechten Seite meint sie? Anstatt noch einmal nachzufragen, betrete ich einfach das erste Zimmer, ertaste den Lichtschalter und finde eine Küche vor. Die ist es schon mal nicht. Ich gehe zum nächsten Zimmer. Wieder schalte ich das Licht ein und dieses Mal stehe ich mitten in ihrem Schlafzimmer. Ich will schon wieder das Licht ausschalten und zum nächsten Zimmer gehen, als es mir fast die Sprache verschlägt.

Der Begriff Schlafzimmer trifft es nicht so ganz. Spielzimmer wäre ein treffender Begriff gewesen. Ich weiß gar nicht, worauf ich meine Augen zuerst richten soll. Der Raum ist sehr dunkel gestrichen. Es fällt mir schwer es zu beschreiben, aber wenn ich es müsste, würde ich sagen, der Raum ist in einem dunkelroten Grundton gestrichen. Über das Rot hat sie mit schwarzer Farbe getupft und damit eine rotschwarze Mischung erzielt. Auf den ersten Blick wirkt das ganze ziemlich düster, aber doch sehr interessant. Es wirkt gefährlich. Irgendwie sehr mächtig.

Passend zu diesem Vorgeschmack hat sie ein großes, massives, gusseisernes Bett an der linken Wand, mittig im Raum stehen. Am Kopfende sind an den Verzierungen Lederfesseln angebracht und ebensolche hängen auch an den Fußenden. Rechts neben dem Bett steht ein Nachtschränkchen, dass genauso wie das Bett schwarz angestrichen ist. Oben auf stehen jede Menge Kerzen und rechts neben der Nachtkonsole hängt ein nicht unbeachtliches schwarzes Holzbrett, an dem verschiedenste Schlaginstrumente angebracht sind.

Ich sehe eine Gerte, einen Rohrstock, ein Paddel und einige Peitschen. Darunter sind kleinere Instrumente wie ein Nadelrad und sowas befestigt. Links von dem Bett ist an der Wand ein gewaltiges, wie sollte es anders sein, schwarz lackiertes Andreaskreuz montiert und in der Mitte des Raumes hängt eine Liebesschaukel von der Decke unter der sich ein schwarzer Sitzsack aus Leder befindet. Irgendwie passt das, was ich hier sehe, nicht zu dem schüchternen, verlegenen Mädel, was ich gerade gedacht habe, kennengelernt zu haben. Ansonsten stehen noch ein Kleiderschrank, eine Spiegelkonsole mit Schminkutensilien und ein Stuhl davor in ihrem Schlafzimmer. Ich frage mich, ob sie diese Spielzeuge aktiv oder passiv nutzt. Aber das werde ich schon noch herausfinden.

Ich lösche das Licht und gehe in das letzte Zimmer. Was, wie wäre es anders zu erwarten, dass Badezimmer ist. Schnell suche ich in ihrem Spiegelschrank nach Pflastern und einer Mullbinde und gehe wieder zurück zu ihr ins Wohnzimmer. „Bist Du fündig geworden?“, fragt sie mich immer noch unschuldig dreinschauend. Ich wedle nur mit der Binde und den Pflastern vor ihren Augen herum und verarzte laienhaft ihren Fuß.

„Und, was machen wir jetzt schönes?“, fragt sie, als ich fertig bin und meine Arbeit für gut befinde. „Warum zeigst Du mir nicht mal Deine Wohnung?“, unterbreite ich ihr einen Vorschlag. Sie stützt sich bei mir ab und humpelt mit mir von einem Zimmer zum nächsten. Ich heuchle Interesse, wobei mir alle Zimmer bis auf eines total egal sind. Mich reizt nur ihr Schlafzimmer. Nicht weil ich mir mehr erhoffe, sondern einfach und allein, um ihren Blick zu sehen. Oder wird sie mir ihr Schlafzimmer vorenthalten und das einfach auslassen?


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